Muay Thai Boran

Im Muay Thai Boran, der thailändischen Kampfkunst, wird - im Gegensatz zum modernen Muay Thai - dem Wettkampf-Gedanken keine Beachtung geschenkt. Hier will man die Grenzen seines Körpers erweitern und seinen eigenen Geist prüfen. Der traditionelle Muay Thai Kämpfer sieht sich als "spiritueller Kämpfer".

Nach vorbereitenden Übungen lernt er das sogenannte "Wai Kru", das man als Anfangsritual vor jedem Kampf einsetzt, um "die Angst aus dem Herzen zu verjagen", so die thailändische Interpretation. Im Anschluss daran lernt man in den 9 Stufen des Süa Lag Hang Stils verschiedene Formen: Die Form des Kranichs, des Wasserbüffels, des Kampfhahns, des Tigers, des Elefanten, des Krokodils, des alte Mannes mit der Melone und als Letztes, die Form "Pra Rama verfolgt den goldenen Hirsch". Eine weitere Besonderheit des Muay Thai Boran ist der Einsatz von Waffen, die im modernen Wettkampf nicht mehr wichtig sind. So gibt es eine Thai-Schwert-, eine Thai-Doppelschwert-, eine Stock-, eine Speer- und eine Lanzenform. Sparring und Abhärtung an der Holzpuppe vervollständigen das Training.

Demonstration

Muay Thai

Die Form

 

Das Daab

 

Damals & heute

Muay Thai Boran ist wie keine andere Sportart mit der Kultur Thailands verbunden.

Seit Jahrhunderten gibt es Kampftechniken in Thailand, die heute als Basis für Muay Thai angesehen wurden. Immer waren es dabei kriegerische Auseinandersetzungen, in denen diese Kampfarten zum Einsatz kamen. Hier ging es ums Überleben und die Techniken entwickelten sich im Laufe der Jahrhunderten zu effizienten Verteidigungsstrategien.

 

Erst 1868, als König Chulalongkorn an die Macht kam, gewann das fast in Vergessen geratene Muay Thai Boran wieder an Interesse. Und so kam es, dass das Thai-Boxen einen neuen Aufschwung erfuhr: Man schuf die ersten Arenen und ließ die Kämpfer gegeneinander antreten. Aus dieser Zeit stammen auch die ersten Festlegungen der Regeln und die Aufspaltung in verschiedene Stile.

 

Heute ist Muay Thai als National Sport in Thailand anerkannt und jeder, der schon einmal in den berühmten Boxstadien in Bangkok war, kann die Begeisterung der Thais für diesen Kampfsport miterleben.

Die Kampfkunst

Am Anfang trainierten die Thai`s mit dem, was sie in der Natur fanden: Auf Palmen klettern, um die Arme zu stärken, auf die Wasseroberfläche oder auf schwimmende Kokosnüsse schlagen. Auch Bananenstauden wurden als Sandsackersatz verwendet.

 

Als die ersten Schaukämpfe aufgeführt wurden, wurde die traditionelle Form des Muay Thai bald zu einem festen Bestandteil der lokalen Feste und Feiern, die rund um die Tempel aufgeführt wurden. Diese Form nennt man Dhee Muay  oder Dhoi Muay, was sich von dem heutigen Thai-Boxen sehr unterscheidet.

 

Das moderne Thai-Boxen, das Sie vielleicht aus dem Fernsehen oder auch aus den berühmten Box-Stadien in Bangkok kennen, hat nicht mehr viel mit den ursprünglichen Formen zu tun. Als Wettkampf ausgetragen konzentriert man sich auf Schlagtechniken und vernachlässigte die traditionellen Formen immer mehr.

 

In der Kampfkunstschule Ajahn Lao wird die ursprüngliche, traditionelle Form des Muay Thai vermittelt, dh. der moderne Wettkampf-Charakter wird hier nicht angestrebt.

 

 

Wai Kru "Die Angst aus dem Herzen vertreiben"

Vor jedem Kampf wird auch heute noch eine uralte Zeremonie abgehalten: Jeder Kämpfer führt in der Mitte des Rings eine Art "Tanz" vor, in dem er eine besondere Abfolge von Bewegungen seines Stils zeigt. In diesen rituellen Bewegungen, die noch heute in den Arenen Thailands von spezieller, für das europäische Ohr sehr schräg klingende, Musik begleitet werden, sammelt man die inneren Kräfte und huldigt seinem Meister.

 

Mongkon –

Der Kopfschmuck

 Zum traditionellen Muay Thai Boran gehört ein Kopfband, das "Mongkon" genannt wird. Ebenso wie das Armband, das sich manche Kämpfer um den Oberarm binden, soll es vor bösen Geistern und schlechten Einflüssen schützen.

Auch wurde früher nicht mit den jetzigen Boxhandschuhen, sondern mit bloßen Fäusten oder mit um die Hände gewundenen Seilen gekämpft.

1. Stufe: Nokasa - der Kranich

Nokasa

Wie ein Kranich geduldig und ausdauernd warten, bis sich der richtige Moment zeigt. Erst nach der genauen Beobachtung schlägt er im richtigen Moment zu. Sie beginnen mit dem Tanz des Kranichs (Wai Kru des Kranich) und seiner Form. Schwerpunkt in dieser Stufe sind Gehtechniken und Partnerübungen. Ebenso verbessern Sie Ihre Energie durch spezielle Qi-Übungen.

2. Stufe: Chuwai - der Wasserbüffel

Chuwai

Der Wasserbüffel kennt seine Kraft und zeigt sie gerne. Er lässt sich nicht vom Gegner einschüchtern und führt unbeirrbar seinen Angriff durch. Das Wai Kru des Wasserbüffels und die entsprechende Form sind Teil dieser Stufe. In der Stufe des Wasserbüffels lernt man auch Fausttechniken und Kicks als neue Schlagtechniken, eine kurze Stockform sowie Partnerübungen ohne Vollkontakt.

Plong

Der Stock ist eine klassische Langwaffe, wie auch der Speer. Er war leicht zu transportieren, sehr vielseitig in der Anwendung und mit ihm konnte man aus sicherer Distanz angreifen ohne dabei selbst dem Gegner zu nah zu kommen.

3. Stufe: Kei Ti - der Kampfhahn

Kei Ti

Der Kampfhahn hat keine Angst vor seinem Gegner. Gerne greift er an und scheut den Nahkampf nicht. Er zeigt seinen roten Kamm und seine Sporen, um sich dann beim Angriff auf Kopf und Schienbeine des Gegners zu konzentrieren. Zur Form des Kampfhahns lernen Sie Kicks und Sprungtechniken. Die Waffe dieser Stufe ist das Schwert.

Daab

Das thailändische Schwert ist aus Stahl gearbeitet und eignet sich für den Kampf zu Fuß. Im Training kommt es darauf an, sich präzise an die Bewegungsabfolge zu halten und die Waffe exakt zu führen. Die Kombination mit dem Ellenbogen und Knie ist typisch für das Muay Thai.

4. Stufe: Süa - der Tiger

Süa

Der Tiger gilt als "Techniker". Er ist ein überlegener Gegner, der auf einen günstigen Moment wartet, um dann kraftvoll und schnell zuzuschlagen. Das Wai Kru des Tigers und die Tigerform sind Bewegungen, die darauf abzielen, den Gegner ins Visier zu nehmen. Ohne Zweifel erfolgt der Angriff. Als Techniken stehen in dieser Stufe Ellenbogen und Knie im Vordergrund, ausserdem werden Bodenkampf und Partnerübungen geübt.

 

Sandsackübungen und Pranahand-Übungen dienen der weiteren Chi-Verstärkung, das Doppelschwert ist die Waffe in dieser Stufe.

Daab song müe

Im Kampf mit zwei Schwertern ist es besonders wichtig, die Koordination zwischen rechter und linker Hand zu beherrschen. Die Geschicklichkeit zu entwickeln beide Schwerter im Kampf kontrolliert zu führen, ist ein wesentlicher Bestandteil dieser Stufe. Normalerweise dient das eine Schwert für den Angriff und das andere zum Abblocken oder dem gleichzeitigen Angriff.

5. Stufe: Shaang - der Elefant

Shaang

"Haag Na Schaang", die Stoßzähne des Elefanten brechen, so nennt sich das Wai Kru dieser Stufe. Sie werden Schlagtechniken kennenlernen, die äußerst kraftvoll sind. Man hält den Gegner fest, um ihn dann mit aller Kraft zu stoßen.

6. Stufe: Shorakee - das Krokodil

Shorakee

Die Techniken des Krokodils sind einfach, aber höchst wirkungsvoll, wenn man Angriffe von hinten abwehren muss. Das Wai Kru dieser Stufe lautet "Shorakee Fad Hang", was übersetzt "das Krokodil schlägt mit dem Schwanz" bedeutet.

Hok

"Hok" - der Speer war eine wichtige Waffe im Krieg, denn er war leicht zu transportieren, sehr vielseitig in der Anwendung und man konnte sich mit ihm den Gegner gut auf Distanz halten.

7. Stufe: Da Dem Gang Fag

Da Dem Gang Fag

In dieser Stufe wird die Kraft in Oberkörper und Armen trainiert. So wie ein Mann eine schwere Melone trägt, werden die Kräfte mobilisiert. Dabei stehen auch Prana-Techniken, also Techniken für die innere Kraft, im Vordergrund.

 

Nach einer erfolgreichen Prüfung, in der man zeigt, daß man die Formen körperlich beherrscht und die geistige Reife besitzt, rückt man in die nächste Stufe vor.

8. Stufe: Pra Rama Tam Gwang

Pra Rama Tam Gwang

Ngau

Als Waffe lernt man in dieser Stufe die Lanze ("Ngau").

Pra Rama Tam Gwang ist ein sehr berühmtes Wai Kru in Thailand. Von ihm gibt es sehr viele Varianten, die alle zum Ziel haben, dem Gegner seine Überlegenheit im Kampf zu zeigen.

9. Stufe: Abschlussjahr

Das Abschlussjahr

In der Abschlußklasse geht es um die Vervollkommnung der Techniken. Es ist das Jahr des Übens, Wiederholens und des "Feilens" an den Techniken, die man in den letzten 8 Jahre erlernt hat. Nach einer Prüfung, in der man zeigt, daß man die Formen körperlich beherrscht und die geistige Reife besitzt, erreicht man den Meistergrad und kann dann seine Kunst weiter vertiefen.

Krabi Krabong – Waffen & Abhärtung

Krabi Krabong –

Das Waffensystem

Das traditionelle Waffensystem des Muay Thai Boran wird im Thailändischen "Krabi Krabong" genannt. Es hat sich in Thailand über Jahrhunderte entwickelt. Der Name leitet sich vom thailändischen Degen "Krabi" ab.

 

Dies sind die Waffen, die im Süa Lag Hang Stil verwendet werden:

 

Daab - Das Schwert

Daab song müe - Das Doppelschwert

Plong - Der Stock

Hok - Der Speer

Ngau - Die Lanze

Abhärtung im

Muay Thai Boran

Die Abhärtung des Körpers ist ein wesentlicher Bestandteil des Unterrichts. Im Kampf ist es oft entscheidend, den Angreifer zu schwächen, in dem man seine Schläge blockt und ihn dadurch sich selbst verletzen lässt. Gerade die Schienbeine und Teile des Oberschenkels sind im Muay Thai außergewöhnlich harten Schlägen ausgesetzt und wer sich nicht gut abgehärtet hat, der wird schon nach den ersten Angriffen zu Boden gehen.

Für dieses Training werden auch heute noch traditionelle Verfahren verwendet, wie z.B. auch das Training an der Holzpuppe oder mit der Kokosnuss.

Abhärtung Holzpuppe und  Schlagpolster (ab 3. Stufe)

Die Abhärtung an der Holzpuppe ist im Muay Thai besonders wichtig. In Thailand verwendet man noch heute hierzu den Stamm der Kokosnusspalmen. Man schlägt mit dem Schienbein, vollführt Schläge mit dem Ellenbogen und den Fäusten. Dabei kann man seine Kraft so einsetzen wie man will und wird so langsam gegen Schmerz unempfindlich.

 

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